Theaterwochen: Gedächtnistraining
Bevor das Stück, „Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ anfing, veranstaltete das Stadttheater einen Gedächtnisworkshop, bei dem man versuchte, dem Gehirn etwas auf die Sprünge zu kommen. Da dies ein sehr großes Thema ist, beschränkte man sich hier aber auf spezifische Fragen, wie z.B.: Was ist Demenz? Warum kann unser Gehirn falsche Erinnerungen hervorrufen? Oder, warum verwechselt der Mann seine Frau mit einem Hut? Das Spannende dabei war, dass man erkennen musste, wie wenig wir eigentlich über unser Gehirn wissen und umso interessanter was es dem Dozenten zuzuhören und Fragen zu stellen. Auf fast jede Frage wurde eine Antwort gefunden, doch oft kamen dann nur noch mehr Fragen auf. So ging der Workshop, der leider nur auf eine Stunde begrenzt war, viel zu schnell vorbei. Am Ende konnte man sich zwar gut vorstellen, was einem in dem Stück erwartet, doch über unser Gehirn waren wir Workshopteilnehmer doch noch nicht so ganz aufgeklärt. Insgesamt war der Workshop als Einführung oder Hintergrundwissen zu dem Stück sehr gut geeignet, jedoch muss man bemängeln, dass die Zeit viel zu knapp war um sich mit einem solch spannenden Thema, wie dem Gehirn, richtig auseinandersetzen zu können.
Michelle Platt
Rezension zu „Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte“
In der Kammeroper von Michael Nyman nach dem Bestseller von Oliver Sacks geht es um einen Mann, der an „Geistesblindheit“ leidet. Dieses individuelle Schicksal wird in den Vordergrund gestellt und mit besonderer künstlerischer Leistung beleuchtet.
„ Es gibt Begriffe darüber, was Menschen nicht sind, aber nichts darüber was sie sind.“ So beginnt die Oper und versucht gerade dieses „Was“ herauszufinden. Zunächst erfährt man etwas über Dr. P. der an „Geistesblindheit“ leidet und wird sozusagen in das Geschehen eingeführt. Im weiteren Verlauf versuchen seine Frau und Dr. S. herauszufinden, was er für eine Krankheit hat und wie man sie heilen kann. Dabei werden die Symptome genauer beschrieben und auch durch visuelle Mittel versucht besser darzustellen. Dabei überzeugt besonders das Bühnenbild, welches durch viele kleine Details aber auch im Gesamten sowohl den Charakter dieses Stückes, als auch die Symptome des Dr. P. wiedergibt, der sehr verwirrt und in sich gekehrt wirkt. Doch auch das gewisse Etwas fehlte diesem Stück nicht, denn besonders die fesselnde Begleitung des Orchesters bei einigen Höhepunkten verschaffte manch Einem dann doch ein wenig Gänsehaut. Insgesamt also ein gelungenes Stück welches anders als erwartet mit dem Schicksal des Dr. Ps selbst endete: „ Er hatte kein Körperbild mehr, er hatte Körpermusik und hörte die Musik auf, so tat er das auch.“
Eine interessante Art und Weiße, solch eine Krankheit darzustellen, deswegen ist die Inszenierung dieses Stückes meiner Meinung nach auch gut gelungen. Doch war es oft schwer, besonders die Frau von Dr. P. zu verstehen und man konnte nicht immer der ganzen Handlung folgen. Doch wem dies nichts ausmacht und wer vor allem die Musik in normalen Theaterstücken vermisst, der ist hier genau richtig.
Michelle Platt