Donnerstag, 3. Juni 2010

Wie es euch gefällt

Shakespeares Komödie ist voller Irrungen und Wirrungen.   

Orlando, dem sein Vater Roland de Bois nur ein kleines Erbe hinterlassen hat, leidet sehr unter der ständigen Peinigung seines Bruders Oliver, der als Haupterbe auserkoren wurde.

Als Orlando gegenüber seinem älteren Bruder handgreiflich wird, beschließt dieser, ihn aus dem Weg zu räumen und arrangiert einen Ringkampf mit seinem Hofringer Charles.

Der schmächtige Orlando gewinnt jedoch unerwartet. Herzog Friedrich, seine Tochter Celia und seine Nichte Rosalinde sind Zuschauer. Nach dem Kampf schauen die beiden Mädchen nach dem tapferen Helden und da passiert es: Liebe auf den ersten Blick! Orlando weiß nicht, wie ihm geschieht. Hals über Kopf verliebt er sich in Rosalinde.

Herzog Friedrich ist eifersüchtig auf seine Nichte Rosalinde, die er damals, bei der Verbannung seines Bruders Herzog Senior, im Schloss behält für die Unterhaltung seiner Tochter, da sie vom Volk sehr geliebt wird. So beschließt er, sie zu verbannen.

Celia will ihre Cousine nicht im Stich lassen und so machen sich beide auf den Weg: Rosalinde als junger Mann Ganymede verkleidet und Celia als seine Schwester Aliena. Als Begleiter nehmen sie den Narren Touchstone mit.

Nach dem Kampf erfährt Orlando, dass er lieber vor seinem Bruder aus dem Reich fliehen sollte. So macht auch dieser sich auf den Weg und findet bald Unterschlupf bei dem verbannten Herzog Senior (Rosalindes Vater).

Ab da beginnen die Irrungen und Wirrungen erst richtig ihren Lauf zu nehmen. Orlando verteilt überall Flyer, um seine Rosalinde zu finden. Sie findet diese und als Ganymede verkleidet tritt sie ihm gegenüber und geht der Echtheit seiner Liebe auf Tuchfühlung. Bei diesen Spielchen passiert es, dass Orlando sich in Ganymede verliebt und damit nicht genug, auch die Schäferin Pheobe verliebt sich in die verkleidete Rosalinde.

Am Ende gibt es natürlich ein Happy End. Schauen Sie es sich selbst an!

Die Inzenierung des Gießener Stadttheaters ist nach der modernsten Shakespeare-Übersetzung von Thomas Brasch aus den 80er Jahren. Dadurch wird die relativ schwere Sprache aufgelockert und bekommt nochmal einen zusätzlichen Witz.

Auch das Bühnenbild von Bernhard Niechotz wurde ganz eigen gestaltet: Das Stück spielt nicht im Garten „Arden“, sondern im „Ardenture Park“. Das Schloss ist ein Baugerüst, im Hintergrund schlängelt sich eine Achterbahn (als Zeichen der ganzen Verwirrungen) und der Boden ähnelt einer rosanen Kraterlandschaft mit Schlupflöchern.

Auch die Kostüme sind nicht im klassischen Stil, sondern sind ein Mix aus heutiger Mode und womöglich zukünftiger.

Das ganze Stück ist durchzogen von Dialogen mit Sprachwitz, eigenst gesungenen Songs im Liedermacherstil und der Thematik des Umweltschutzes. Es ist von Erdwellen, Elektrosmogs und Handystrahlungen die Rede, weshalb manche mit Propellern auf dem Kopf herumlaufen, um sich vor der Strahlung zu schützen.

Das Stück dauert sehr lange und wird durch eine Pause unterbrochen. Der Anfang zieht sich ein wenig. Gerade diese Langatmigkeit hat sehr viel Kritik ausgelöst. Auch muss man erwähnen, dass einige Leute sich schon nach den ersten Szenen verabschiedet haben.

Schon am Anfang werden dem Zuschauer die ganzen Beziehungskonstellationen nahe gebracht, wobei einem zuerst ein wenig der Kopf schwirrt. Jedoch wird im Laufe des Stückes alles verständlich, sodass es kein Hindernis ist, der Handlung problemlos zu folgen, selbst wenn man zuvor keinerlei Ahnung von dem Inhalt des Stückes hat.

Alles in allem kann ich dieses Stück nur empfehlen. Man hat wirklich sehr viel zu lachen, da Dialoge, Lieder, Kostüme und Bühnenbild einen immer wieder aufs Neue überraschen und die Bauchmuskeln nur so zittern lassen. Der Anfang lässt sich durchaus auf Grund der Länge kritisieren, jedoch ist das meiner Meinung nach nur ein kleiner Kritikpunkt.

Ein Tipp für die Romantiker: Geht am besten kurz vor Ende raus, da der Schluss des Stückes jegliche Art von Romantik zerstört.

Martha Rave

1 Kommentare:

  1. Das Stück war echt gut. Ich fand es nur auch etwas zu lange. Danke für die Kritik, dann konnte man sich schon mal auf einen langen Abend einstellen.
    LG

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