Dienstag, 29. Juni 2010

DIE 39 STUFEN

Kriminalkomödie von John Buchan / Alfred Hitchcock bearbeitet von Patrick Barlow
Während des Auftritts des berühmten Gedächtniskünstlers „Mister Memory“ fällt ein Schuss, Panik bricht aus und ehe Richard Hannay sich versieht, vertraut ihm die schöne Annabella an, eine verfolgte Spionin zu sein. Wenige Stunden später ist sie tot. Daraufhin folgt eine rasante Flucht. Alle Szenen aus dem Klassiker Alfred Hitchcocks (1955) lassen sich wiederfinden: Die Flucht über die Forth-Bridge, die berühmte Handschellen-Szene und das Finale im Londoner Palladium.

Das Stadttheater hat nicht zu viel versprochen. Der Abend ist ein „rasantes Theaterspektakel“. Der ein oder andere Zuschauer mag danach womöglich völlig atemlos oder mit Bauchschmerzen aus dem Saal kommen, denn das Publikum bekommt einen Lacher nach dem anderen geliefert.

Auch dem Ensemble merkt man den Spaß am Spiel an, denn vier Schauspieler haben 139 Rollen zu spielen. Alle Vier aber meistern diese Aufgabe grandios.

Hin und wieder wird das Publikum direkt in die Handlung mit einbezogen und man wird mit wilden Verfolgungsjagden quer durchs Publikum überrascht.

Zudem ist es auch spannend zu sehen, wie aus wenigen Requisiten immer wieder neue Bühnenbilder geschaffen werden und selbst der Umbau mit Witz und Humor gestaltet wird. Da bleibt es auch nicht aus, dass mal ein Schauspieler einen wild strömenden Fluss zu spielen hat…

Fazit: Einfach toll!!! Was gibt es da weiter zu sagen… „Die 39 Stufen“ ist ein Stück, das

einfach jeden begeistern wird!

Martha Rave

Donnerstag, 3. Juni 2010

Der Revisor

Zähneklappernd erwarten die Honoratioren eines Provinznestes die Ankunft des Revisors aus der Hauptstadt, denn vom Stadthauptmann bis zum kleinsten Beamten hat ein jeder etwas auf dem Kerbholz. Als schließlich in Person des jungen Chlestakow ein unbekannter Mann im Gasthaus absteigt, sind sich alle einig: Das muss er sein! Und nun wird geschmiert, geheuchelt und gelogen, dass sich die Balken biegen. Chlestakow genießt das süße Leben. Allein: Der gefürchtete Revisor ist er nicht.  

Die Komödie wurde von Nikolai W. Gogol geschrieben und von Werner Egk zu einem witzigen Libretto umgewandelt und mit flotter Musik unterlegt.

Das ganze Bühnenbild wurde in schwarz-weiß gestaltet. Auch die Kostüme sind vorwiegend schwarz-weiß. Diese Farbkonstellation bewirkt einen irren Effekt. Vor allem die komplett in weiß gekleideten und auch im Gesicht und am Kopf weiß gehaltenen Männer sind beeindruckend. Sie scheinen aus einem Tanzensemble zu sein, da sie kein Wort in dem ganzen Stück von sich geben, sondern nur hin und wieder beeindruckende Körperakrobatik zeigen. Ansonsten wird die ganze Zeit, wie es in einer Oper üblich ist, gesungen. Manchmal ist es eher eine Art Sprechgesang, bei dem man nicht jedes Wort versteht. Dabei geht einem leider gerade in der ersten Hälfte ein wenig Handlung verloren, sodass es schwer fällt, Handlungsdetails zu verstehen. Das heißt, man sollte sich besser im Vorhinein über die Handlung im Klaren sein.

Nach dem man sich durch die erste Hälfte doch ein wenig quälen muss, wird es dann aber in der zweiten Hälfte wesentlich lustiger und spannender. Vor allem die Tochter des Stadthauptmanns schafft es, das Publikum mit ihrer Naivität zum Lachen zu bringen.

Bildprojektionen, die wie riesige Monitore aussehen, lassen den Zuschauer zusätzlich staunen, da sie zeigen, dass es am Theater tatsächlich für alle Ideen eine Lösung gibt.

Alles in allem kann man sagen, dass man Opernfan sein sollte, wenn man sich dieses Stück ansehen möchte.

Ist man dies nicht, ist es mehr ein Ausharren, zumindest bis zur zweiten Hälfte.

Martha Rave

Weitere Vorstellungen:  12., 20. und 26. Juni 2010 Zum letzten Mal: 01. Juli 2010 jeweils 19.30 Uhr | Großes Haus

Wie es euch gefällt

Shakespeares Komödie ist voller Irrungen und Wirrungen.   

Orlando, dem sein Vater Roland de Bois nur ein kleines Erbe hinterlassen hat, leidet sehr unter der ständigen Peinigung seines Bruders Oliver, der als Haupterbe auserkoren wurde.

Als Orlando gegenüber seinem älteren Bruder handgreiflich wird, beschließt dieser, ihn aus dem Weg zu räumen und arrangiert einen Ringkampf mit seinem Hofringer Charles.

Der schmächtige Orlando gewinnt jedoch unerwartet. Herzog Friedrich, seine Tochter Celia und seine Nichte Rosalinde sind Zuschauer. Nach dem Kampf schauen die beiden Mädchen nach dem tapferen Helden und da passiert es: Liebe auf den ersten Blick! Orlando weiß nicht, wie ihm geschieht. Hals über Kopf verliebt er sich in Rosalinde.

Herzog Friedrich ist eifersüchtig auf seine Nichte Rosalinde, die er damals, bei der Verbannung seines Bruders Herzog Senior, im Schloss behält für die Unterhaltung seiner Tochter, da sie vom Volk sehr geliebt wird. So beschließt er, sie zu verbannen.

Celia will ihre Cousine nicht im Stich lassen und so machen sich beide auf den Weg: Rosalinde als junger Mann Ganymede verkleidet und Celia als seine Schwester Aliena. Als Begleiter nehmen sie den Narren Touchstone mit.

Nach dem Kampf erfährt Orlando, dass er lieber vor seinem Bruder aus dem Reich fliehen sollte. So macht auch dieser sich auf den Weg und findet bald Unterschlupf bei dem verbannten Herzog Senior (Rosalindes Vater).

Ab da beginnen die Irrungen und Wirrungen erst richtig ihren Lauf zu nehmen. Orlando verteilt überall Flyer, um seine Rosalinde zu finden. Sie findet diese und als Ganymede verkleidet tritt sie ihm gegenüber und geht der Echtheit seiner Liebe auf Tuchfühlung. Bei diesen Spielchen passiert es, dass Orlando sich in Ganymede verliebt und damit nicht genug, auch die Schäferin Pheobe verliebt sich in die verkleidete Rosalinde.

Am Ende gibt es natürlich ein Happy End. Schauen Sie es sich selbst an!

Die Inzenierung des Gießener Stadttheaters ist nach der modernsten Shakespeare-Übersetzung von Thomas Brasch aus den 80er Jahren. Dadurch wird die relativ schwere Sprache aufgelockert und bekommt nochmal einen zusätzlichen Witz.

Auch das Bühnenbild von Bernhard Niechotz wurde ganz eigen gestaltet: Das Stück spielt nicht im Garten „Arden“, sondern im „Ardenture Park“. Das Schloss ist ein Baugerüst, im Hintergrund schlängelt sich eine Achterbahn (als Zeichen der ganzen Verwirrungen) und der Boden ähnelt einer rosanen Kraterlandschaft mit Schlupflöchern.

Auch die Kostüme sind nicht im klassischen Stil, sondern sind ein Mix aus heutiger Mode und womöglich zukünftiger.

Das ganze Stück ist durchzogen von Dialogen mit Sprachwitz, eigenst gesungenen Songs im Liedermacherstil und der Thematik des Umweltschutzes. Es ist von Erdwellen, Elektrosmogs und Handystrahlungen die Rede, weshalb manche mit Propellern auf dem Kopf herumlaufen, um sich vor der Strahlung zu schützen.

Das Stück dauert sehr lange und wird durch eine Pause unterbrochen. Der Anfang zieht sich ein wenig. Gerade diese Langatmigkeit hat sehr viel Kritik ausgelöst. Auch muss man erwähnen, dass einige Leute sich schon nach den ersten Szenen verabschiedet haben.

Schon am Anfang werden dem Zuschauer die ganzen Beziehungskonstellationen nahe gebracht, wobei einem zuerst ein wenig der Kopf schwirrt. Jedoch wird im Laufe des Stückes alles verständlich, sodass es kein Hindernis ist, der Handlung problemlos zu folgen, selbst wenn man zuvor keinerlei Ahnung von dem Inhalt des Stückes hat.

Alles in allem kann ich dieses Stück nur empfehlen. Man hat wirklich sehr viel zu lachen, da Dialoge, Lieder, Kostüme und Bühnenbild einen immer wieder aufs Neue überraschen und die Bauchmuskeln nur so zittern lassen. Der Anfang lässt sich durchaus auf Grund der Länge kritisieren, jedoch ist das meiner Meinung nach nur ein kleiner Kritikpunkt.

Ein Tipp für die Romantiker: Geht am besten kurz vor Ende raus, da der Schluss des Stückes jegliche Art von Romantik zerstört.

Martha Rave