Nominiert für den deutschen Jugendtheaterpreis erfreut sich dieses Stück nun auch in Gießen an einer Inszenierung. Der Durst nach Anerkennung, Liebe und einem Sinn im Leben soll Thematik in dem circa einstündigen Jugendstück sein.
Boon, Gerichtsanthropologe und ein eher frustrierter Mensch wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Er soll zwei Leichen in einem Fluss identifizieren und erkennt in einer davon seinen alten Schulfreund Murdoch wieder, einen rebellischen Jungen, der gegen sein Umfeld aufbegehrte und vor 15 Jahren einfach verschwand. Doch wer ist die Leiche neben ihm und was hat das alles mit seiner Lebensgeschichte zu tun? Boon begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählt aus seiner frühen Kindheit.
Spannend und nachdenklich kann man betrachten, wie die Vergangenheit es schafft einen immer wieder einzuholen und der Schrecken über die eigene Veränderung präsent wird. Die Inszenierung versucht die oft wirren Gedanken von Boon zu erklären und erzählt gleichzeitig zwei verschiedene Geschichten, um sie auszudrücken. Bildlich dargestellt werden Boons Erzählungen von den Schauspielern Anne Berg und Dominik Breuer, deren spielerische Leistung überzeugt. Spannung kommt immer wieder im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf. Allerdings fällt es dadurch zwischenzeitlich schwer, diese zu unterscheiden.
Ein interessantes Thema, obwohl man sich anstrengen muss, um der gesamten Handlung folgen zu können. Kritisch betrachten lässt sich auch die Visualisierung. Weniger ist mehr kann man zu der Inszenierung von Abdul Kunze nicht sagen. Doch das ist Geschmackssache. Dem einen gefällt es die Schauspieler "auf Eis sitzen zu sehen", für den anderen hätten drei Stühle ausgereicht. Trotz der Kritik, die meines Erachtens nicht so stark ins Gewicht fallen sollte, ist dieses Stück ein Muss für jeden Theaterliebhaber. Vor allem für Jugendliche empfiehlt sich das Stück, da es Themen wie Selbstfindung und Verwirklichung anspricht und es erstaunlich ist, inwieweit sich die eigenen Träume, Erwartungen und der Durst nach Leben mit denen der Hauptfigur vergleichen lassen.
16.01.2011; 04.02.2011; 27.02.2011; 13.03.2011
jeweils 20:00 Uhr im Til-Studiobühne
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Foto: Dietmar Janeck

