Donnerstag, 13. Januar 2011

DIE DURSTIGEN

Nominiert für den deutschen Jugendtheaterpreis erfreut sich dieses Stück nun auch in Gießen an einer Inszenierung. Der Durst nach Anerkennung, Liebe und einem Sinn im Leben soll Thematik in dem circa einstündigen Jugendstück sein.

Boon, Gerichtsanthropologe und ein eher frustrierter Mensch wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Er soll zwei Leichen in einem Fluss identifizieren und erkennt in einer davon seinen alten Schulfreund Murdoch wieder, einen rebellischen Jungen, der gegen sein Umfeld aufbegehrte und vor 15 Jahren einfach verschwand. Doch wer ist die Leiche neben ihm und was hat das alles mit seiner Lebensgeschichte zu tun? Boon begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und erzählt aus seiner frühen Kindheit.

Spannend und nachdenklich kann man betrachten, wie die Vergangenheit es schafft einen immer wieder einzuholen und der Schrecken über die eigene Veränderung präsent wird. Die Inszenierung versucht die oft wirren Gedanken von Boon zu erklären und erzählt gleichzeitig zwei verschiedene Geschichten, um sie auszudrücken. Bildlich dargestellt werden Boons Erzählungen von den Schauspielern Anne Berg und Dominik Breuer, deren spielerische Leistung überzeugt. Spannung kommt immer wieder im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf. Allerdings fällt es dadurch zwischenzeitlich schwer, diese zu unterscheiden.

Ein interessantes Thema, obwohl man sich anstrengen muss, um der gesamten Handlung folgen zu können. Kritisch betrachten lässt sich auch die Visualisierung. Weniger ist mehr kann man zu der Inszenierung von Abdul Kunze nicht sagen. Doch das ist Geschmackssache. Dem einen gefällt es die Schauspieler "auf Eis sitzen zu sehen", für den anderen hätten drei Stühle ausgereicht. Trotz der Kritik, die meines Erachtens nicht so stark ins Gewicht fallen sollte, ist dieses Stück ein Muss für jeden Theaterliebhaber. Vor allem für Jugendliche empfiehlt sich das Stück, da es Themen wie Selbstfindung und Verwirklichung anspricht und es erstaunlich ist, inwieweit sich die eigenen Träume, Erwartungen und der Durst nach Leben mit denen der Hauptfigur vergleichen lassen.

16.01.2011; 04.02.2011; 27.02.2011; 13.03.2011

jeweils 20:00 Uhr im Til-Studiobühne

Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Foto: Dietmar Janeck

Michelle Platt

Mittwoch, 12. Januar 2011

AMADEUS

Schauspiel von Peter Shaffer AMADEUS zeigt Ausschnitte aus dem Leben Mozarts mit all seiner Traurigkeit, Verrücktheit und Genialität aus der Sicht, von dem sich selbst als Mozarts Mörder bezichtigten, Antonio Salieris. Das Stück spielt in Wien des beginnenden 19 Jh. Antonio Salieri ist der gefeierte Hofkapellmeisters von Kaiser Joseph II. Er ist die Tugend in Person, doch nun tritt Mozart in sein Leben. Auf der einen Seite getrieben von Eifersucht und Hass und auf der anderen Seite entzückt von den himmelsgleichen Kompositionen Mozarts, trieftet Salieris Gemüt immer mehr auseinander. Sein Wesen verändert sich gänzlich und er erkennt sich in seinen Taten selbst nicht wieder. Mozarts Naivität und Vertrauen in Salieri machen die Sache nicht besser.
AMADEUS verspricht einen Abend voller Musik und tollen Kostümen. Das Stück schafft es dem Zuschauer die Sonnen- und Schattenseiten des Genies aufzuzeigen. Es wird einem die Gradwanderung von Unrecht, Recht, Verständnis und Missgunst Nahe gelegt. Die Musik wird nicht nur abgespielt, sondern die Inszenierung schafft es einen neuen Bezug dazu zu geben. Da macht es nichts, dass Shaffer es mit der historischen Wahrheit nicht so ernst nimmt. Nicht die Fakten entscheiden, sondern die Schatten- und Sonnenseiten des menschlichen Wesens, die in AMADEUS auf eine nette und humorvolle Art gezeigt werden. Die Kostüme sind eine Pracht, denen man jedoch versucht hat einen modernen Touch zu verleihen. Ob man das geglückt nennt oder nicht, ist Ermessenssache. Alles in allem lässt sich dieses Stück nur empfehlen. Es ist humorvoll, interessant und auch etwas fürs Auge.
Martha Rave
30.01.2011 um 15:00 Uhr 05.02.2011; 20.02.2011; 27.03.2011 jeweils 19.30 Uhr im Großen Haus
Altersempfehlung: ab 12 Jahre